Sunday, July 12, 2015

Angst

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte, welch ein Risiko es mit sich bringt, neue Wege vorzuschlagen, zu gehen und die Gabe zu benutzen die jedem Menschen in die Wiege gelegt wäre, selbst nachzudenken, sich selbst eine Meinung zu bilden. Doch alleine eine gewisse Meinung zu vertreten machte den Menschen immer schon persönlich angreifbar und es muss ja gar nicht sein, dass die Lämmchen einander nachlaufen, weil sie einander zustimmen, doch weil sie zu große Angst haben.

Das wissen selbst die kleinen Fisch', dass der Hai sie kriegt sobald sie alleine stehen. Deshalb schwimmen sie zusammen, deshalb tut man Dinge, die man nicht tun will und es muss einem noch nicht mal einer befohlen haben. Nicht einmal der Hai muss einem gedroht haben und später muss er gar nicht erst da sein. Denn die Angst ist tief genug in den Seelen verankert, dass sie niemand mehr zu besiegen vermag.

Jedoch sind die Konsequenzen aus dem "Außen Stehen" und "Anders sein" in der westlichen Welt nicht mehr so groß wie sie waren oder wo anders sind, deshalb trauen sich auch mehr, aufzustehen, laut aufzuschreien bei Ungerechtigkeiten, obwohl es genug Menschen gibt, die mit Hass und Verachtung reagieren, und gar nicht wissen warum. Dabei macht es ja Sinn: Sie haben Angst. Es steht viel auf dem Spiel für manche, wobei in anderen nur noch diese tief verwurzelte Angst lauert, deren Quelle längst versiegt ist. Und der um seine Überzeugungen kämpfende hat auch angst. Und er verurteilt ja andere nicht, nur weil sie keine Meinung oder Überzeugung haben, das machen sie schon selbst. Das macht sie wütend, aber sie wissen nicht warum.
Sie sind wütend auf sich selbst, doch schreien nur mit anderen. Sie verurteilen sich selbst, doch reden nur über andere. Weil sie ihre Angst nicht kennen.

Am Ende haben wir alle doch bloß Angst, es ist natürlich und das Gefühl, dass unser Leben wohl am meisten bestimmt. Liebe ist nur die Angst, die zu verlieren. Leben ist nur die Angst zu sterben. Sie treibt uns wie das Gefälle den Wasserfall stetig vorantreibt. Es ist wichtig, sie zu kennen und sie sich einzugestehen, sie vielleicht sogar zu überwinden, denn es wird einem - und möglicherweise allen - helfen, ein schöneres Leben zu führen, weil man sich entscheiden darf, wohin man schwimmt.