Heute möchte ich einmal nicht über die Welt schreiben. Nicht über Politik oder Armut. Nicht über diese großen Ungerechtigkeiten der Erde, die noch einen langen Weg bis zur Lösung haben. Heute spreche ich mal über mich. Ich habe es bis jetzt vermieden in meinem Blog über mich zu schreiben, weil meine Klassenkameraden wissen wo er zu finden ist, und wenn ich über mich rede, werden diese früher oder später auftauchen. Ich habe mich nun dazu entschlossen dass es eigentlich egal ist.
Wenn man Menschen aus meinem täglichen Leben fragt wie sie mich beschreiben würden würde etwas kommen wie: kreativ, zurückhaltend, verrückt (wenn man sie inoffiziell fragen würde wäre womöglich noch komisch, seltsam und fett dabei). Natürlich kann ich das nicht beurteilen. Ich habe eigentlich seit der Volksschule keine Freunde mehr, seit ca 5 Jahren, seit ich 9 war. In der Volksschule hatte ich sogar zwei beste Freundinnen und war auch mit einem Jungen sehr eng befreundet, doch diese Verbindungen brachen einfach mit der Zeit, der Junge wechselte, ein Mädchen entschloss sich, den anderen Mädchen unserer Klasse anzuschließen und das andere Mädchen... Nun ja wir gingen in verschiedene Schulen und von da an entwickelten wir uns immer mehr auseinander.
In der neuen Klasse fühlte ich mich nicht so wohl. Die Mädchen schienen alle so wichtig - vor allem hatten die meisten relativ wohlhabende Eltern. Sie sagten oft Dinge die gar nicht stimmten und lachten mich aus sobald ich sie fragte ob das wirklich so war. Das einzige, das ich für mich hatte, in dem sie mich nicht auslachten oder ähnliches war das Zeichnen. Ich konnte damals schon gut zeichnen, bestimmt bin ich nicht die beste, doch das ist auch egal ich zeichne ja nur für mich.
Nun ja ich war wohl eher eine der ruhigeren Schüler, es gab auch niemanden mit dem ich hätte schwätzen können. Generell fühlte ich mich unterschätzt. Und so fühle ich mich immer noch, auch in der neuen Klasse. Manchmal frage mich ob die anderen überhaupt wissen das ich ein psychosoziales menschliches Wesen bin, das Gefühle und Gehirn hat. Ich meine wenn ich sage ich habe einmal eine grüne Spinne in meinem Garten gesehen ist es doch wirklich unnötig zu fragen ob es nicht vielleicht ein Grashüpfer war. Ja, ich kann eine Spinne von einem Grashüpfer unterscheiden. Das hättet ihr mir wohl nicht zugetraut, was?
Das schlimmste daran ist, dass es nicht necken oder beleidigen ist. Beim Necken oder Beleidigen macht man eher Witze über jemanden, oder offensive verbale Angriffe. Aber die meinen das mit solchen Kommentaren todernst! Zu jedem anderen Mädchen aus meiner Klasse wäre dies neckend gemeint gewesen. Aber zu mir nicht, denn ich bin ja wirklich so dumm.
Jetzt hört es sich vielleicht komisch an, sich an der Kleinigkeit aufzuhängen, nur ist es dass es immer und immer passiert. In der Volksschule war es egal, da hatte ich meine Freunde und was die anderen sagten zählte nicht viel. Doch ohne diesen Schutz den es bietet, jemanden zu haben mit dem man reden kann hat es plötzlich begonnen weh zu tun. Und immer mehr weh zu tun. Und da war so viel, zu viele Kleinigkeiten und jeden kleinsten Husten lernte ich zur Magen-Darm Grippe hochzusteigern, nur um einen Tag ohne die Fragen zu verbringen: Werde ich mich heute blamieren? Werden wir heute eine Gruppenarbeit machen, bei der ich wieder übrig bleibe? Mit wem werde ich arbeiten müssen??
Wenn man schon immer übrig geblieben ist, heißt das nicht, dass es nicht trotzdem bzw mehr weh tut, wenn man wieder alleine dasteht und den Lehrer darauf hinweist, dass man noch keinen Partner hat.
In der Pubertät keine Freunde zu haben ist scheiße. Internet zu haben ist das beste, das jemandem passieren kann. Zu reden, jemanden zu haben der einen versteht, ich wusste gar nicht mehr wie das ist. Es fühlt sich komisch an von jemandem den man noch nie in Person getroffen hat, besser gekannt zu werden als von den Menschen, die man täglich sieht, mit denen man den halben Tag verbringt, 5 Tage in der Woche. Doch sobald ich wusste wie es sich anfühlt, wie ein geschätztes Wesen behandelt zu werden, begann ich beleidigt zu sein, wenn jemand meinte er muss mir zeigen dass ich unwichtig bin.
Auch wenn ich es nicht zeigte, ich war froh, endlich frei zu sein von der ständigen Beurteilung anderer Menschen die es obwohl sie mir egal sind schaffen, dass es mir am Ende schlecht geht.
Ich verlange ja nicht dass mich jeder mag, aber ich wünschte ich würde wegingstens existieren.
Es ist besser, gehasst zu werden, als erst gar nicht zu existieren.
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